Ein Fest mit vielen Höhepunkten

70 Jahre Posaunenchor Harthausen

Ein Fest mit vielen Höhepunkten unter dem Leitwort „Lobe den Herren“

 

Es ist Sonntag, der 13. Oktober 2019. Die Sonne strahlt schon am frühen Morgen vom Himmel. Seit 8.30 Uhr bereits hört man Posaunenklänge aus der Kirche. Der Komponist Helmut Lammel bewegt sich zwischen Orgel und Bläser, um sich abzustimmen. Bald wird Prälat i.R. Mack erscheinen. Es herrscht emsiges Treiben. Besucher strömen in die Kirche.

Es ist 10 Uhr. Stille. Der Posaunenchor beginnt den Fest-Gottesdienst zu seinem 70-jährigen Bestehen mit einem doppelchörigen Werk von Aurelio Bonelli, der Toccata Athalanta, und zeigt dabei schon sein ganzes Können, indem er die Passagen bei den Wechseln von Chor 1 zu Chor 2 so homogen spielte, dass das Ganze wie aus einem Guss wirkte.

Pfarrer Hörnle, nunmehr Bläser im Chor, begrüßt die Festgemeinde mit Prälat Mack und Komponist Helmut Lammel und bringt zum Ausdruck, wie nah Freude und Trauer an diesem Tag beieinander liegen: Freude über 70 Jahre Posaunenchor Harthausen und Trauer über den Tod seines langjährigen Bläsers Hermann Häberle, den der Posaunenchor vier Tage zuvor auf dem Friedhof verabschieden musste. Beim Trauergottesdienst in der Kirche und am Grab spielte der Posaunenchor Lieder des Trostes und der Zuversicht.

Nach einem anspruchsvollen Bläservorspiel stimmte die Gemeinde mit ein in den Choral „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren ...“ Ja, in wieviel Not hat nicht der gnädige Gott über Bläserinnen und Bläser und den Chor Flügel gebreitet.

Auch das Psalmgebet schließt mit einem Lob: Alles, was Odem hat, lobe den Herren.

Nun tritt der Komponist Helmut Lammel ans Mikrofon und begrüßt Posaunenchor und Gemeinde und drückt seine Freude und sein  Erstaunen darüber aus, in Harthausen einen so lebendigen Chor anzutreffen, der auf einem hohen Niveau spiele.

Ein Zwischenspiel von Gabrieli mit dem Stück Cancon Seconda wird mit viel Einfühlungsvermögen als Hinführung zu Gebet und stillem Gebet vorgetragen, und diese

Stille übertrug sich auf das anschließende Spielen eines Bläserquartetts „Gott ist gegenwärtig“, das mit viel Gefühl und variantenreicher Spielweise dargeboten wurde.

„Nun jauchzt dem Herren alle Welt“, eine Komposition unseres Gastes Helmut Lammel im Zusammenklang von Orgel, Posaunenchor und Gemeinde drückt die Freude über diesen Tag aus.

Mit hohem musikalischem Anspruch wird die Vertonung des Psalms 100,1-5, „Jauchzet dem Herrn alle Welt“, vertont von Felix Mendelssohn-Bartholdy, vorgetragen und die vier Teile in unterschiedlicher bläserischer Besetzung ausgezeichnet interpretiert.

Prälat Mack greift in seiner Festpredigt die Ausführungen der seinerzeitigen Festschrift zum 60jährigen Jubiläum auf und bringt zum Ausdruck, welchen Mut und  welche Zuversicht die damals jungen Männer, Willi Wolfer, Walter Schäfer, Karl Adam, Willy Knecht und Wilhelm Alber aufbrachten, vier Jahre nach dem Chaos des Kriegsendes und dem Verfall der Ordnungen und herrschenden  Trübsal-Stimmung der Nachkriegszeit mit der Gründung eines Posaunenchors und dem Spielen von Chorälen dieser Trostlosigkeit die frohe Botschaft von Jesus Christus entgegenzusetzen. Trotz schwieriger Beschaffung von Instrumenten wuchs der Chor. Und an der Grundaussage des Chors hat sich bis heute nichts geändert: Jesus Christus bekannt machen und zu Gottes Ehre spielen.

Diese Bedeutung des Posaunenchors als Dienst am Evangelium von Jesus Christus hob Prälat Mack hervor und es gelte, dies gerade in unserer Zeit in die Gemeinde laut hineinzublasen.

Mit einem mehrstimmigen Vorspiel führte der Posaunenchor zum Gemeindegesang „Such, wer da will, ein ander Ziel“.

Liedsätze, von Helmut Lammel komponiert und abschnittsweise interpretiert,  zeigen die Tiefe der Verkündigung durch Wort und Musik: „Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich führt“, „Du bist unsre Zuversicht“,  „Friede mit euch“. Alles Werke aus der Feder unseres Gastes Helmut Lammel. Das Nachspiel „Du meine Seele singe“, ebenfalls von H. Lammel komponiert, fordert noch einmal  den ganzen Einsatz der Bläserinnen und Bläser  und höchste Konzentration.  Kraftvoll und ausdrucksstark, emotional stark berührend, wird die letzte Sequenz des Werkes gespielt „… ich will den Herren loben, solang ich leben werd.“- Stille. Der Komponist Helmut Lammel führt dieses Thema an der Orgel in verschiedenen Variationen unmittelbar weiter und besticht durch ein großartiges Orgelnachspiel.

Die Gemeinde brachte die Freude über den mit vielen Höhepunkten erlebten Jubiläums-Festgottesdienst mit anhaltendem Beifall zum Ausdruck.

Zuvor wurde noch mit Präsenten gedankt: Prälat Mack für seinen Predigtdienst, Helmut Lammel für sein vielfältiges aktives Mitwirken, Ute Wille-Besch für das  Einüben der anspruchsvollen Musikstücke und die souveräne Leitung des musikalischen Teils des Jubiläums und Eugen Schweizer für seinen fast siebzigjährigen aktiven Bläserdienst.

Pfarrer Hörnle erwähnte in seinem Schlusswort die wohl Einmaligkeit, dass mit Eugen, Hans-Martin und Christoph Schweizer drei Generationen Bläser aus einer Familie in der gleichen Tonlage, Bass, spielen.

Erwähnenswert ist ebenfalls, dass zwei  seit Jahrzehnten aktive Bläser, Siegfried Wolfer und Hans-Peter Laux, an Lebensjahren etwa dem Alter des Jubiläumschors entsprechen. Erfreulich: Mit Luis Schweizer und Noah Lehnert spielen jetzt zwei Jungbläser im Chor mit.-

Über den Tag hinaus gilt auch für das weitere Wirken des Chors und seine Arbeit  das Leitwort „Gott loben, das ist unser Amt.“

 

Eugen Schweizer